Essays

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EIN ABEND MIT BILLIE HOLIDAY

Die Liebe manchmal entstammt dem reinsten, saubersten Dreck - Heimaterde. Liebe gebiert den Dreck. Dreck gebiert Gold.

Das rare Glänzen kratzt im Hals. Die Dame in Seide. Die wundersam oxidierte Dame in Seide - Die edle Legierung. Die edel oxidierte Schönheit.

Vielleicht weißt du im Februar 58 immer noch nicht, was Liebe ist. Die Diva zerfällt in Teile, Millionen perfekte Teile. Die Milchstraße fällt herauf von unten. Liebe fern der Gravitation. Was ist das, ein Wort in Stein? Eine Stimme in Viny gekratzt für die Ewigkeit? Ein Abend mit Billie Holiday und ein Bier und eine Pfeife, die die Zelle verqualmt...

Sie zerbricht noch nicht. Noch ist der Abend jung. Die Liebe spricht nicht, eh sie aufgebraucht.

Im Anfang war noch alles leise, unhörbar. Dann unstillbar, dann analytisch, wortverbrauchend und verbal erinnernd an all das Schlechte des Ganzen, Großen. Und die Nacht altert den Gedanken zulieb.

Wie war die letzte Nacht? Heißt das ganze Sterben nichts als Maul halten? (Endlich?) (Endlos?). Die Zunge ist goldbelegt (- wieder eine Legierung!) Der metallene Zopf zeigt Stirn (- und noch eine!) Die Nüstern gebläht, Junk, Schweiß.

Wie unnötig dieses Orchester! Diese Schleimstreicher. Der Trompeter hätte ausgereicht. The beautiful whore: die Chanteuse: Das immerwährende Mädchen. Nur noch 1 Jahr. Prez tritt vorher, pro forma, schon ab. Selten, dass sich 2 verstehen. Sie versteht, das Orchester kaum. Sie versteht das Orchester kaum. Braucht es nicht. Braucht keine Engelschöre. Sie singt zum Band.

Ich höre an diesem Billie Holiday-Abend nur sie. “Es ist so einfach, zu erinnern. So schwer, zu vergessen.” Sie wird immer in mein Hirn eingebrannt sein. Ich gebe ihr Hirnwindung um Hirnwindung. Die Unreservierten, noch freien. Ein nicht mehr reversibler Akt.

Einmal und nie wieder. Gern geschehen, Madame. Ich suche dann nicht mehr, wenn Sie mit der Zunge schnalzt. Es ist die richtige Stelle. Es ist das letzte Mal und der erste Abend allein mit Billie Holiday.

(C) Ralf Preusker

John Coltrane

spiel zwischen den zeilen / gleich einem übervater / ist die musik die übermutter mit fetten brüsten / schwarzes land / kommunikation zwischen planeten / sein zorn ist mars / seine liebe die kühle venus / es ist nicht irdisch, wenn er spielt / näher bei gott war keiner / sein horn war in alabama /

miles nennt seinen sound ‘nen scheiß / ‘nen guten genialen scheiß / ließ ihn spielen / ging / und alle nach ihm sind gott so fern / wie miles, wenn er die bühne verließ /

sie haben seinen atem nicht / naima / alice /

sie haben nicht mccoy, jimmy und alvin, nicht all die anderen / die mit ihm durch ihn zu anderen wurden

ICH WÜNSCHTE GOTT ATMETE NUR MUSIK AUS / aka vergangenheit / gegenwart und zukunft ein immer /

taugeperl / die blauen noten / die mikrogrammschwere improvisation / das kein-ende finden / die suche / der leberkrebs-zorn / die liebe zum leben / die unschüssigkeit in worten / die frage: habe ich alles gesagt in tönen / klangbildwahn / in einem niemals gleich klingenden lied /

seine letzten aufnahmen sind wahnsinn und doch dem wahnsinn ferner denn manch tablette gegen das unwohlsein des geistes /

noch einmal eintauchen / wagen / in seine musik, die doch die musik eines ganz anderen ist /

musiktheoretisch kann man nichts zuleide tun

weisheit / der klang auf der schwelle zwischen den fluren, türen, etagen /

bau ein haus um deinen sound! / haus der blauen noten / die fenster sind weit offen / lassen regen herein / später die sonne / den duft frisch gemähten grases / den geruch einer fetten roten rose / das organge all der dämmerungen /

wie klingt liebe? / antwort: crescent, a love supreme / er wird die zeit immer überwunden haben /

und gott schenkte uns coltrane / und er gab ihm wenig zeit / die er sich ganz nahm / und das GESCHENK NAHM / und weiterschenkte an die ohren / die des geistes tore sind /

SPERRT DIE OHRENTORE WEIT AUF / HABT KEINE FURCHT VOR DEM GLÜCK / LASST EUCH NICHT ÄNGSTIGEN, wenn ihr versteht / denn das könnte kommen / ohne ein zutun von grübelei / nachdenken und zwang.

ich werde nicht mehr erwachen / ich bin längst erwacht / ich wache über meinen schlaf / die taktung bleibt / die dunkelheit bringt nichts ein / die hellen träume / die dunklen suchen nicht nach licht / nicht nach dunkelheit / so schwarz auch ein zustand sein mag / gott begegnet dort / wo die begegnung unmöglich scheint: in ein paar takten musik